Wo bleibt die Selbstkritik?
"Die Diskussion um die "moderne" Architektur wird immer wieder auf "Stahl, Glas, Beton" verkürzt. Dabei gibt es genügend zeitgenössische Bauten z.B. in Naturstein oder Ziegel. Beispielhaft seien hier das Diözesan-Museum Kolumba in der ebenfalls Kriegszerstörten Kölner Innenstadt von Peter Zumthor, die Stadt-Bibliothek Münster von Bolles-Wilson, oder diverse Bauten von David Chipperfield genannt." -
Natürlich wird die Diskussion auf Glas, Stahl, Beton verkürzt, weil überwiegend in dieser Art gebaut wurde und (leider noch) wird, das ist nun eben einmal Fakt! Ihre genannten Beispiele mögen zutreffend sein, doch es sind Ausnahmen, mit der man sich doch so einiges schönzureden versucht, was immer offensichtlicher in Schieflage geraten ist und zu Recht in Frage gestellt wird. Das entscheidende Thema ist doch: War und ist die sogenannte Moderne in der Lage, im Städtebau eine lebendige, urbane Struktur zu erzeugen, die von den Menschen angenommen wird, oder ergeht sie sich in "funktionalen Einheiten", bizarren Solitären auf die sie bei Kritik dann selbstzufrieden verweist?
Was Dresden nach Jahrzehnten der Visionslosigkeit so dringend benötigt, sind ensemblebildende, Maßnahmen der Stadtreparatur, keine herausragende Extravaganz zur Zierde der Architektenschaft, die in ihrem Elfenbeinturm immer noch zu wissen meint, was gut für den "Pöbel" sei! Das Thema Städtebau und Architektur, vor allem der SOZIALE Aspekt einer Bau-KULTUR gehört in den Fokus der gegenwärtigen Stadtplanung gerückt, um GEMEINSAM mit den Bürgern (nicht mit den Experten!) Löungen zu erarbeiten. Nach Jahrzehnten lähmender Konvention und vergeblichen Hoffens, ist es an der Zeit, Stadt-Räume entstehen zu lassen, die Verweilqualität, Verortbarkeit besitzen, und von den Bürgern(!) als ein Stück Identität angenommen werden. Der Postplatz ist hier als ein Negativbeispiel, der Neumarkt als ein Positiv-Beispiel zu nennen. Anstatt die Nase über Rekos zu rümpfen, wäre es für die werte Architektenschaft an der Zeit, vom hohen Ross herabzusteigen, sich in kritischer Selbstreflexion zu üben, die Hausaufgaben zu machen und endlich so zu bauen, wie es die Bürger als angenehm empfinden!
Das setzt natürlich MUT voraus, denn Lorbeeren erntet man dadurch unter Kollegen wohl eher nicht... ;)