Ein neues Neues Rathaus
Ein neues Verwaltungszentrum für Dresden im Baujahr 2020 ff sollte, so denke ich, kein geklonter Zwilling unseres Rathauses von 1905 sein.Dieses ist klassisch und wohl proportioniert, aber trotz seiner schönen Goldenen Pforte - an der heute falschen Seite - nicht sehr einladend, eher Ehrfurchtsgebietend. Das Verwaltungszentrum sollte offen und einladend, barrierefrei auch im übertragenen Sinne sein ! Und die oft - zu Recht - geforderte "transparente" bürgernahe Verwaltung auch nach aussen sichtbar, erlebbar machen.
Dresden steht ja nicht nur für Canaletto, sondern z.B. auch für eine Excellenz-Universität und hervorragende Forschungsinstitute, eine Museumslandschaft mit "Alten und Neuen Meistern", historischer und aktueller Kunst oder einem Europäischen Zentrum der (zeitgenössischen) Künste. D.h. für mich, ein neues ! Verwaltungs-zentrum darf, bzw. soll auch NEU aussehen, kann sein Baujahr, wie frühere Bauten auch, selbstbewußt zeigen.
Die Diskussion um die "moderne" Architektur wird immer wieder auf "Stahl, Glas, Beton" verkürzt. Dabei gibt es genügend zeitgenössische Bauten z.B. in Naturstein oder Ziegel. Beispielhaft seien hier das Diözesan-Museum Kolumba in der ebenfalls Kriegszerstörten Kölner Innenstadt von Peter Zumthor, die Stadt-Bibliothek Münster von Bolles-Wilson, oder diverse Bauten von David Chipperfield genannt. Auch die subtil modernen Ergänzungsbauten in der barocken Bischofsstadt Eichstätt von Karljosef Schattner zeigen diesen Weg. Nicht zuletzt können wir in Italien sehen, wie Tradition und Moderne harmonieren können (Bsp. u.a. Carlo Scarpa). Ein kleines, feines hiesiges Beispiel sind m.E. die Ergänzungsbauten der Kreuzschule von Eberhard Pfau, sowie das neue dortige Alumnat von Meyer-Bassin.
Für unser neues Verwaltungszentrum wünsche ich mir ein erkennbar zeitgenössisches, dabei harmonisch ins Stadtbild eingefügtes, einladend-offenes Haus ! Ein Architektur-Wettbewerb ist genau der richtige Weg, für diese schwierig-schöne, komplexe Bauaufgabe, die angemessene Lösung zu finden. BM Schmidt-Lamontain und der Verwaltung muss man für den Versuch danken, die zuweilen sehr harte Dresdner Debatte in konstruktive Bahnen zu lenken und ein - andernorts durchaus nicht immer übliches - Forum anzubieten !
P.S.: Die von Herrn Betz behauptete Korruption ist eine Unverschämtheit, wenn nicht sogar eine - juristisch relevante ? - Verleumdung. Diese Form der Diskussion brauchen wir hier nicht ! Schämen Sie sich, Herr Betz !
Ludger Kilian, Freier Architekt dwb, Dresden