Sexuelle und reproduktive Gesundheit
[KBA]
Wozu sollen die "bisherigen Aktivitäten im Arbeitsfeld Sexualaufklärung von Menschen mit Behinderungen" erhoben werden? Was muß hier anders gemacht werden als bei Nichtbehinderten?
Aus Praxiserfahrungen liegt der Verdacht nahe, Behinderte sollen durch eine spezielle Sexualaufklärung zu "freiwilliger" Kinderlosigkeit gedrängt werden. Das wäre eine Diskriminierung! Nicht alle Kinder von Behinderten sind ebenfalls behindert, und nicht alle "gesunden" Eltern kommen ihrer Elternrolle angemessen nach!
Ungewollte (oder abgenötigt gewollte) Kinderlosigkeit kann zu ernsthaften psychischen Beeinträchtigungen führen, insbesondere auch behinderte Menschen bedauern ihre Kinderlosigkeit. Kinderlosigkeit ist auch ein "Exklusionskriterium", man gehört nicht dazu, kann nicht mitreden (und nicht mitfühlen), wenn es um Kinderthemen geht. Das geht bis zu Anfeindungen ("Du hast ja nicht mal Kinder!"), gerade in einer Gesellschaft, in der Kinderlose mit einem höheren Pflegebeitrag bestraft werden. Hier wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben!
Es ist vielmehr zu überlegen, wie der Kinderwunsch Behinderter so erfüllt werden kann, daß er für alle Beteiligten – die Eltern, das Kind und die Gesellschaft – befriedigend wird.
Eine Möglichkeit könnten – das Einverständnis der Betroffenen und gegenseitige Sympathie vorausgesetzt – Patenschaften sein, die z.B. Personen mit Interesse an einer Pflegeelternschaft oder auch adoptionswillige Paare übernehmen (und auf diese Weise zu erwachsenen Kindern mit Enkelkind(ern) kommen). In Fällen, in denen eine Elternschaft tatsächlich nicht die beste Lösung ist, könnte den behinderten Menschen zumindest der Umgang mit Kindern, beispielsweise über ein Ehrenamt in einer Kindereinrichtung, ermöglicht werden (was bisher eben wegen einer Behinderung meist nicht möglich ist).