Als Leiterin einer integrativen Kita stehe ich der inklusiven Zukunft: "Eine Kita für alle" aus Umsetzungs- und Qualitätsgründen sehr kritisch gegenüber. Seit den letzten 5 Jahren erhalten Kinder mit erhöhtem Förder- und Betreuungsbedarf aufgrund von Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten (aus Sicht der Kita-FACHKRÄFTE steigt die Anzahl dieser Kinder) kaum oder keinen Integrativstatus laut Eingliederungshilfe. Diese Kinder müssen also unter den ungünstigen sächsischen Kita-Regelrahmenbedingungen betreut werden und erhalten damit keine zuätzliche Förderung oder notwendige Zuwendung. Hier stoßen wir ErzieherInnen bereits jetzt an unsere Grenzen.
In einer inklusiven Kita sollen in Zukunft alle Kinder gemeinsam ob behindert oder nicht behindert, verhaltensaggressiv oder still, akzeleriert oder redartiert, hochbegabt oder nicht, sozial-emotional stabil oder instabil betreut, erzogen und gebildet werden.
Um Inklusion als fortschreitende Integration (Jedes Kind zu halten, aufzufangen, zu begleiten, zu motivieren, zu stärken, zu bilden und am Leben teilhaben zu lassen) in dere Kita realisieren zu können, sind nicht nur die Bedingungen für die behinderten Kinder zu schaffen, sondern mit Blick auf die gesamte Bezugsgruppe die Regelbedingungen für alle Kinder zu verbessern.
Deshalb sind zuerst die notwendigen (hier bitte auf die Praxis hören und vertrauen) Bedingungen zu schaffen und deshalb folgende Fragen zu klären:
1. Welche räumlichen und personellen Rahmenbedingungen sind für eine inklusive Kita notwendig und demzufolge noch zu schaffen?
Barrierefreiheit: Fahrstuhl, BehindertenWC (in unserer Kita nicht vorhanden)
größere Gruppenräume und Außenanlagen, da mehr Bewegungsfreiheit notw. (bei uns nicht vorh.)
ausreichende Anzahl für Einzel- und Gruppentherapien (nicht vorhanden)
Räume zum Separieren, z.B. um Reizüberflutunge zu vermeiden (nicht vorhanden)
Bezugsgruppenstärke senken bzw. individuelle an Behinderung bzw. Betreuungsaufwand anpassen, Anzahl der behinderten Kinder pro Gruppe senken (derzeitig nicht möglich)
Zeitbuget für Dokumentation, Vor- und Nachbereitungszeit, Elternarbeit, Leiterinnentätigkeit, interdisziplinäres Arbeiten vorsehen/finanzieren (derzeitig nicht vorgesehen)
mehr feste, d.h. dauerhafte Fachkräfte für die Arbeit am Kind
Schlüsselsenkung (nicht vorgesehen!!)
2. Wie wird eine inklusive Kita finanziert? Welche finanziellen Mittel fließen zusätzlich und von wem für den Betreuungs-und Förderaufwand eines behinderten Kindes und aller anderen Kinder zur individuellen Begleitung ein? Wie wird der individuelle Bedarf eines jeden Kindes berechnet? Wie kann die Kita handlungsfähig bleiben, wenn Bewilligungsverfahren bis zu 1 Jahr dauern und nur noch schwer behinderte Kinder Eingliederunsghilfe erhalten und es für alle anderen Kindern keine Unterstützungsmöglichkeit laut Gesetz zur Verfügung steht?
Es bedarf eines schnellen und unbürokratischen Verfahrensweg bis zur Bewilligung von Eingliederungshilfen und sonstigen Unterstützungemöglichkeiten und ohne den Trägern eine gewisses Geschäftsrisiko bei Wegfall von Eingliederungshilfe zu zuschieben.
Entscheidungträger müssen die vorhandenen Bedarfe erkennen (Bsp. es gibt keine gesetzliche Grundlage zur Betreuung von sozial-emotional beeinträchtigten Kindern und ihrer Familien) und entsprechend schnell reagieren
Für eine gelingende Inklusion bedarf es nicht nur an engagierten Pädagogen sondern auch an flexiblen Politiker und Entscheidungsträgern, die tatsächlich am Wohle aller Kinder interessiert sind und sich für deren Zukunft einsetzen und frühzeitig Hilfen ermöglichen. Inklusion wird nicht zum Nulltarif möglich sein.