Frühförderung ersetzen? - NEIN!!!
Über die Gedankensprünge, die Frühförderung durch die Kita zu ersetzen, war ich als Frühförderin und Mutter sehr empört. Wer mit solchen Gedanken spielt, weiß nicht, was die Männer und Frauen in der Frühförderung leisten. Es gibt sehr große Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten zwischen Frühförderung und der integrativen bzw. inklusiven Kita. Die Gemeinsamkeit ist unumstritten: die Bildung und Erziehung des KINDES. Der Unterschied liegt nur darin, dass wir von der Frühförderung jedoch nicht nur das Kind bilden, was die Kita macht, sondern wir bilden UND erziehen auch das ganze Mikro- und Makrosystem des Kindes. Die Frühförderung ist immer darauf ausgelegt, dass wir bei den Kindern UND Eltern sind. - Um es den Eltern visuell zu zeigen, wie das Kind im Alltag optimal gefördert werden kann. Zudem bekommen wir Frühförderer mehr Hintergrundwissen als die Kita, da eine viel intensivere Vertrauensbasis aufgebaut wird. Die Mitarbeiter der Frühförderung gehen zu den Kindern nach Hause. Egal wie es dort riecht und wie dreckig es auch ist, wir lassen es über uns ergehen. Immer mit der Hoffnung, dass es bei den Eltern ‚klick‘ macht, dass sie doch etwas verändern. Dies wird in der Kita nie passieren. Dort geben die Eltern die Kinder in der Kita ab und die ErzieherInnen lästern wahrscheinlich noch darüber (und wenn sie nicht aufpassen auch noch im Beisein des betroffenen Kindes). Ich bin auch Mutter eines Kindes mit einer Entwicklungsstörung und bin selbst als Heilpädagogin in einer Frühförderung tätig. Es ist eine Arbeit, die mit der Arbeit der Kita überhaupt nicht zu vergleichen ist. Ich habe durchschnittlich am Tag 4 verschiedene Kinder aus unterschiedlichen Milieu zu betreuen. Für jedes Kind muss ich die Materialientasche so packen, dass ich mein Ziel vor den Augen nicht verliere. Meine Tasche ist dann als Konsequenz sehr groß und sehr schwer. Das liegt daran, dass nicht alle Spiel die ich einstecken habe, für die Entwicklung jedes Kindes ansprechend bzw. interessant sind. Ich nehme auch immer Wechselsachen mit zur Förderung und habe auch immer eine Handdesinfektion einstecken. Manchmal ist der Boden beim Kind so dreckig, dass ich mich erstmals reinigen muss oder die Eltern rauchen so stark, dass ich mich im Anschluss umziehen muss. Ich mache es aber trotzdem gerne, vor allem wenn ich Erfolge am Kind UND an den Eltern sehe. So kann bspw. Jetzt ein Junge, nach viel Zureden und immer wieder verschiedenem Aufzeigen von Möglichkeiten, wie die Familie bspw. das Zählen im Alltag üben kann, jetzt bis 10 zählen. Natürlich war es nicht nur meine alleinige Arbeit als Frühförderin. Es war eine interdisziplinäre Arbeit. Ich und die Therapeuten hielten immer Rücksprache. So halten wir das immer und bei allen Kindern. Das Ziel besteht jeweils darin, durch Rücksprachen gemeinsam das Ziel zu erreichen: Eine Erziehung und Bildung nicht nur am Kind allein, sondern unter Berücksichtigung des ganzen Mikro- und Makrosystems des Kindes! Ich hoffe, dass ich durch mein Schriftstück auch einen sehr guten Beitrag leisten konnte, die Frühförderung nicht abzuschaffen, sondern zunächst das komplexe Gebilde der Kitas hinsichtlich der Beantragung eines Integrativstatus zu überarbeiten.