Echte Bürgerbeteiligung statt teurer Kulturhauptstadt-Bewerbung
Ich habe den Glauben daran verloren, dass eine Beteiligung der Bürger im kommunalen Entscheidungsprozess wirklich ernst gemeint ist.
Die bisherigen Maßnahmen sind reine Alibi-Veranstaltungen ohne Abstimmungs- und Vetorechte.
Wer die Entscheidungsprozesse in der Stadt mitverfolgt, kann schnell den Eindruck gewinnen, dass wirtschaftsnahe Lobbyisten regieren, persönliche Interessen einflussreicher Bürger durchgesetzt werden und ggf. sogar Stadtratsbeschlüsse schlicht ignoriert werden.
Stadt der Hybris einer Kulturhauptstadtbewerbung, die enorme Kosten verursacht und niemals den prognostizierten Mehrwert erzielen wird, wäre eine Kulturdebatte mit den Bürgern im Rahmen einer differenzierte Bürgerbefragung wesentlich sinnvoller gewesen.
Doch was würde dann herauskommen? Vielleicht:
- Verwaltungskultur - Statt Bürger als Bittsteller zu behandeln könnte die Verwaltungskultur zu einer Dienstleistungskultur geprägt werden, denn wir alle bezahlen die Mitarbeiter der Ämter und städtischen Betriebe, die Anfragen nicht bearbeiten, sich verleugnen lassen, hochnässig agieren, für dumm verkaufen .... Ich wünsche mir Beratung und Unterstützung bei meinen Anliegen.
- Beteiligungskultur - Warum wohl hat man noch nie eine echte und unabhägige Bürgerbefragung durchgeführt, nicht einmal zu so relevanten Themen wie der Kulturhauptstadt-Bewerbung? Wo bleiben die Möglichkeiten, um wirksam Einspruch gegen Maßnahmen einzulegen, Mehrheits- und berechtigte Minderheitsinteressen zu vertreten?
- Haushaltskultur vs. Kulturhaushalt - Die Mittelverwaltung und der Mitteleinsatz im städtischen Haushalt werden nur unzureichend veröffentlicht, fragwürdige Haushaltsentscheidungen unter nichtssagenden Haushaltstiteln versteckt. Transparenz, Mitentscheidungsmöglichten, Vetorechte - Fehlanzeigen!
- Bildungskultur - Warum gibt es keinen freien Zugang für alle Bürger zu allen Kulturangeboten, die durch den kommunalen Haushalt enorm subventioniert werden? - Museen, Stadttheater etc.. Wo können Bürger ihre eigenen Vorstellungen von Kunst und Kultur in geeigneten städtischen Räumen/Flächen ausleben und verwirklichen? Warum leistet die Stadt nicht das Minimum des Erwartbaren in ihrer Funktion als Schul- und Kitaträger (IT, Transport, Ausstattung, Standorte, Information, Nutzerbeteiligung...) und mißt sich nicht an den Anforderungen, die sie an private Schul-/Kitaträger stellt?
Ich wünsche mir eine umfassende Debattenkultur, die auch entscheidungsrelevant ist. Themen gäbe es soviele:
- Kommunikationskultur
- Mobilitätskultur
Nur auf den Blabla Kulturhauptstadt, der nur der Repräsentationssucht und den kommerziellen Interessen einzelner dient kann ich echt verzichten.
Anonym, warum wohl