Usability, User Experience und User-Centered Design
Ich stimme dem Kommentar des "Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib)" im Kern zu: Die Inhalte der referenzierten ISO-Norm 9241 wurden falsch bzw. unpassend wiedergegeben. Der obige Text vermittelt ein etwas unpräzises Verständnis der Begriffe "Usability" und "User Experience".
Die ISO-Norm 9241-11 definiert Usability als "extent to which a system, product or service can be used by specified users to achieve specified goals with effectiveness, efficiency and satisfaction in a specified context of use". Somit sind Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit die drei Eigenschaften, die die Usability eines Systems beschreiben. Wie diese Eigenschaften gemessen bzw. bewertet werden sollen geht daraus aber nicht hervor.
Hierfür zeigt die ISO-Norm 25022 mögliche Ansätze auf, etwa "tasks completed" (Effektivität), "task time" (Effizienz) oder "satisfaction with features" (Zufriedenheit). Die genaue Auswahl der Messkriterien hängt dabei immer vom jeweiligen System, dem speziellen Anwendungsfall und, wie vom ifib erwähnt, der „inhaltlichen Konkretisierung“ ab.
Die User Experience lässt sich laut ISO-Norm 9241-210 in drei Teile unterscheiden: (1) vor, (2) während und (3) nach der Benutzung eines Systems. Der zweite Teil (während der Benutzung) entspricht dabei genau der zuvor definierten Usability – also eben der Effektivität, Effizienz und der Zufriedenheit. Darüber hinaus umfasst der Begriff "User Experience" noch folgende, teilweise nur schwer zu messenden Aspekte: Emotionen, Wahrnehmungen, Vorlieben, körperliche und geistige Fähigkeiten, körperliche und geistige Reaktionen, Überzeugungen oder Verhaltensweisen. Es mag daher ratsam sein, sich stattdessen auf den klarer definierten Begriff der Usability zu konzentrieren.
Bei den im obigen Text aufgeführten "sieben zentralen Merkmale guter Gebrauchstauglichkeit" handelt es sich um die "Grundsätze der Dialoggestaltung" aus der ISO-Norm 9241-110. Zweifelsfrei tragen sie zu einer guten Usability (und damit zu einer guten User Experience) bei. Aufgrund der vorher genannten Punkte eignen sie sich allein aber nicht zur objektiven Bewertung der Usability eines Systems.
Um die Aspekte "Barrierefreiheit und Responsivität" und "Überprüfung der Gebrauchstauglichkeit" angemessen zu berücksichtigen, empfiehlt sich der Einsatz des User-Centered Designs. Dieser iterative, vier-schrittige Prozess wird ebenfalls in der ISO-Norm 9241-210 beschrieben. „Tinka“ hat darauf bereits hingewiesen.
Für eine Diskussion und weiterführende Informationen stehe ich gerne zur Verfügung.
Dr. Morin Ostkamp
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