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Nutzerprofil von »buergerfalk«

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letzter Beitrag/Kommentar
 
27.02.2018
Beiträge/Kommentare
2

Beiträge / Kommentare

Beitrag Beitrag
Uhr 27. Februar um 22:13

Wahlfreiheit zu Wohnformen

Sehr geehrter Herr Pöhler,

vor einer reichlichen Stunde hatte ich den Beitrag gesendet. Leider wird er nicht angezeigt. Ich weiß nicht warum und versuche, ihn zu rekapitulieren.

Sie kennen unser Problem und wir kennen Ihres.

Zu Ihrem Problem ist zu sagen, daß es ein Unding ist, daß Sie als Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für Menschen mit Behinderungen ehrenamtlich beim SMS tätig sind und Ihre Anregungen offenbar bei Vorgesetzten wenig Beachtung finden und daß Sie bei Leistungserbringern keinen Einfluß haben. Im Inklusionsgesetz sollte geregelt werden, daß Ihre Position hauptamtlich bei der Sächsischen Staatsregierung, in der Staatskanzlei bei Herrn Kretzschmar, angeschlossen ist und daß der Beauftragte auch Weisungsrechte erhält.

Unser Problem entstand 2014, als unser behinderter (Tetraspastik) , damals 43-jähriger Sohn Falk auf das PARALIVING bei ASKIR aufmerksam wurde. Da wurde sein Wunsch geweckt, nach nunmehr 37 Jahren in der Fremde in der Nähe seiner Familie wohnen und arbeiten zu dürfen. Denn das Problem seiner Betreuung begann schon 1978, als die Körperbehindertenschule auf der Fischhausstraße sich außerstande sah, einen schulbildungsfähigen Tetraspastiker aufzunehmen.

Die ersten Aktivitäten, Probewohnen bei ASKIR und Probearbeiten in der WfbM der AWO auf dem Sonnenstein, waren noch hoffnungsvoll. Aber dann zeigten sich die Schwierigkeiten: Die Finanzierung des Wohnens bei ASKIR ging nur mit Grundsicherung vom Sozialamt - da reicht das Geld nicht. Der KSV verwies auf das stationäre Heim der AWO - das war mit Warteliste belegt und außerdem keine einladende Bleibe.

In meinem Kommentar zum Beitrag "Neue Wohnformen" habe ich bereits weitere Gedanken niedergelegt.

Das neue Inklusionsgesetz sollte auch die Integration der Unterschiedlichkeit Behinderter berücksichtigen. Unser Sohn ist "nur" körperbehindert, aber das zu 100 %, und damit fällt er durch das übliche Raster. Die Lebenshilfe ist nicht zuständig.

Es fehlen in Dresden/Sachsen geeignete Wohnformen für Körperbehinderte mit hohem Pflegeaufwand, die mit Eingliederungshilfe in einer WfbM mit PC-Arbeitsplätzen arbeiten.

Im Barmer-Pflegereport, siehe SZ vom 10.11.2017 und vom 05.01.2018, weist der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Herr Christoph Straub, auf den Mangel hin: "Derzeit geht das Angebot für junge Pflegebedürftige oft an deren Bedürfnissen vorbei." Und weiter: "Die unerfüllten Wünsche nach einem selbstbestimmten Wohnen vieler junger Pflegebedürftiger müssen für Politik, Bauwirtschaft und Interessenverbände ein Ansporn sein, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dazu muß neben dem altengerechten Wohnen das altersgerechte Wohnen in den Mittelpunkt rücken."

Unter Inklusion verstehen wir auch das stadtnahe Wohnen und Arbeiten, so daß sowohl die Arbeitsstätte (WfbM oder Unternehmen) als auch Einkaufsläden, kulturelle Einrichtungen und Erholungsbereiche "rollstuhlnah" erreichbar sind. Deshalb haben wir die geplante "Lingnerstadt" vorgeschlagen. Der Architekt, Herr Peter Kulka, betont in seinem Artikel in "IMMOBILIEN AKTUELL", daß alle Wohnungen behindertengerecht sind, so daß neben einem stationären Wohnheim auch das ambulante Wohnen möglich sein wird, sofern die Wohnkosten erschwingbar sind.

Zum Schluß zitiere ich die Meinung unseres Sohnes, die er schriftlich niedergelegt hat:

"Das Wichernhaus Altdorf hat im Bereich der Behindertenhilfe eine Vorreiterrolle und leistet hier wertvolle Pionierarbeit. Dank seiner engagierten, kompetenten und aufopferungsvollen Mitarbeiter bietet sich für mich die Möglichkeit, ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben zu führen. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass mir eine andere Wohnform mit niederschwelligeren Angeboten annähernd gleichwertige Lebensbedingungen bieten kann, kommt für mich - unter den jetzigen Lebensbedingungen - keine andere Wohnform in Frage."

Horst Hofmann, Vater von Falk Hofmann

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Kommentar Kommentar
Uhr 12. Februar um 01:22
Neue Wohnformen

Diese neue Wohnform gibt es eigentlich schon im sog. "Betreuten Wohnen". Die Wohnung müßte allerdings ein eigenes Zimmer für den Behinderten haben. Da kommt aber als Hindernis der Mietpreis ins Spiel. Welche Familie mit einem behinderten erwachsenen Kind kann sich das leisten? Und die meiste Pflegearbeit bleibt dann doch bei den betagten Eltern.

Hier sollte der § 9 SGB IX Wunsch- und Wahlrecht der Leistungsberechtigten stärker in Betracht gezogen werden, also der Behinderten. Unser Sohn (46 Jahre) lebt seit seiner Einschulung in anderen Städten und trotzdem halten wir zu ihm eine enge Bindung durch häufige Heimfahrten. Dieser Kompromiss hat ihn trotz Tetraspastik sehr selbständig werden lassen. Er genießt seine persönliche Freiheit im stationären Wohnheim und in der WfbM. In diesem Wohnheim kann er seine Freizeit nach eigenem Gutdünken leben. Er freut sich aber genau so auf die Heimfahrten, wenn er zu Hause von uns umsorgt wird. Auch seine Urlaubszeit hat er bisher mit uns an verschiedenen Orten verbracht. Für organisatorische Aufgaben sind wir selbstverständlich auch immer present. Damit ist er trotz seiner schweren Behinderung (E-Rollstuhl mit Kinnbedienung) ein zufriedener Mensch.

Nun ein Wort zum "stationären Wohnheim". Leider ist der Begriff "stationär" verrufen. Niemand will in so ein "Heim". Das Wohnheim der AWO auf der Max-Liebermann-Str. ist dafür ein lebendes Beispiel. Die Mitarbeiter geben sich zweifellos große Mühe, die Behinderten gut zu betreuen. Daran liegt es nicht. Aber die Lage am Gefälle, dunkle und viel zu kleine Zimmer, Telefon und Internet sehr mangelhaft und nicht zu vergessen, der bei weitem zu geringe 'Tagessatz der sog. "Externen", die morgens schon ab 5:oo Uhr geweckt werden, damit sie mit den Fahrdienst rechtzeitig in der WfbM auf dem Sonnenstein in Pirna sind, sind keinesfalls einladend.

Also ich will damit sagen, es kommt auf die Gestaltung und die Führung eines Wohnheimes an, ob Behinderte sich darin wohlfühlen. Und nicht zu vergessen auch auf die Finanzierung. Der Aufenthalt unseres Sohnes im vorbildlichen Wichernhaus Altdorf bei Nürnberg wird vom KSV Sachsen mit Eingliederungshilfe nach SGB XII § 97 finanziert. Diese Finanzierungsform entlastet den Behinderten weitgehend von bürokratischen Anträgen und Bittstellungen um ein paar mehr Euro. Er braucht sich im Wesentlichen nur ums Ausgeben oder Sparen seines Taschengeldes zu kümmern. Wenn die Kommune den Behinderten mit Grundsicherung abspeisen muß, dann lebt er unter der Armutsgrenze. Das muß dringend verbessert werden.

Das Wohnheim in Altdorf wird "ohne Tagesstruktur" geführt. Die Behinderten haben ihr eigenes Zimmer, Mitarbeiter (Betreuer) sind rund um die Uhr im Haus, um die erforderlichen Hilfen zu geben. Gemeinschaftsräume, Terrasse, automatische Türen sind vorhanden. Vollverpflegung in der Woche und am Wochenende Selbstverpflegung geben Sicherheit und fördern gleichzeitig die Selbstständigkeit. Supermärkte sind in der nahen Stadt in wenigen Minuten auch ohne Begleitung zu erreichen. Für Freizeitangebote ist extra ein Mitarbeiter verantwortlich. Die WfbM befindet sich auf der anderen Straßenseite, ist also ohne Fahrdienst erreichbar.

Also ich will schließlich dazu sagen: In Dresden, um nicht zu sagen in Sachsen, gibt es keine solche Kombination von stationärem Wohnheim mit naheliegender WfbM.

Wir haben vorgeschlagen, in der in Planung befindlichen sog. "Lingnerstadt" eine solche Kombination einzuplanen. Als WfbM könnte sich z. B. die noch vorhandene ehemalige Robotronkantine eignen und als Wohnheim ein quadratisches Gebäude zwischen Hygienemuseum und Dorinthotel.

Der Investor könnte sich das vorstellen, aber der KSV hat dafür taube Ohren. Und dabei kann er als überörtlicher Träger gemäß SGB XII § 97 Abs. (5) erforderliche Einrichtungen schaffen oder fördern. Aber seine Devise ist: Ich kann, aber ich muß nicht. Mit ambulanter Betreuung in kleinen Wohneinheiten kann man alle Probleme lösen und beruft sich dabei auf § 13 SGB XII. Er vergißt dabei aber die Wahlfreiheit § 9 SGB IX und die Formulierung im § 13, daß der Vorrang der ambulanten Leistung nicht gilt, wenn eine Leistung für eine geeignete stationäre Einrichtung zumutbar und eine ambulante Leistung mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden ist.

Es wäre also wichtig, daß aus der "Kann-Bestimmung" eine verpflichtende Formulierung wird.

Damit möchte ich meinen Kommentar erst mal schließen.

Horst Hofmann

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