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Uhr 18. Dezember 2018

Die Bauten der Weißen Gasse nehmen doch ganz klar Bezug zu der Vorkriegsbebauung

"Städtische identitätsstiftende Orte können jedoch auch ohne historisierende Anleihen auskommen. Dies belegen - so wage ich es mir zumindest zu behaupten – beispielsweise in Dresden die Bauten der Weißen Gasse (...)"

Aber die Bauten der Weißen Gasse nehmen doch ganz klar Bezug zu der Vorkriegsbebauung durch ihre historisierenden Fassadenelemente.

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Uhr 18. Dezember 2018

Dresden braucht ein avantgardistisches Meisterstück am Ferdinandplatz

Dass der Ferdinandplatz städtebaulich geschlossen wird und somit eine weitere große Brachfläche im Herzen der Stadt verschwindet, ist richtig und wird durchaus auch Zeit. Zumal Dresden im schärfer werdenden Wettbewerb mit anderen Großstädten und Regionen ins Hintertreffen zu geraten droht. Und dabei muss man noch nicht einmal den Blick nach Berlin, Hamburg oder München richten, um diese Entwicklung deutlich vor Augen geführt zu bekommen.

Von vielen unbemerkt ist Leipzig zur Schwarmstadt Nummer 1 in Deutschland aufgestiegen. Nirgends wächst die Bevölkerung so stark wie an der Pleiße, zuletzt um nahezu 2 Prozent. Dahingegen würde Dresden ohne die Zuzüge von Menschen mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft sogar schrumpfen. Doch spätestens wenn die Wirtschaft in Südeuropa wieder nachhaltig an Fahrt gewinnt und der demografische Wandel den osteuropäischen Arbeitsmarkt vollends geleert hat, wird dieser Strom an Zuzügen abebben und das Schrumpfungsszenario kann für Dresden real werden, mit entsprechend negativen Verwerfungen hinsichtlich der ökonomischen Entwicklung der Stadt und damit für unser aller Wohlfahrt in Zeiten zunehmender Fachkräfteengpässe.

Doch was hat Leipzig, was Dresden nicht hat? Dresden liegt beim Prokopfeinkommen deutlich vorn, weist demnach im Schnitt besser bezahlte Jobs auf. Eingebettet im Tal der Elbe, am Rand der Sächsischen Schweiz und des Erzgebirges besitzt die Landeshauptstadt zudem eine wesentlich abwechslungsreichere sie umgebende Landschaft. Zudem ist Dresden Sitz der einzigen Exzellenzuniversität in einem ostdeutschen Flächenland. Es ist nahezu egal, welchen Parameter man hernimmt, Dresden schneidet besser ab als Leipzig und dennoch zieht es die Menschen in die Messestadt.

Doch was ist es nun, was Leipzig der Dresdner Konkurrenz davoneilen lässt? Leipzig punktet mit seiner funktionierenden und altstädtisch geprägten Innenstadt. Es ist die kleinteilige Dichte an Gebäuden, die ein urbanes Lebensgefühl erzeugt, Flair verströmt, als Identifizierungsanker dient  und damit den Wunsch vieler Menschen entspricht. Um nicht zukünftig weiter an Boden zu verlieren, sollten genau diese Aspekte bei der Neubebauung von Flächen in der Dresdner Innenstadt nicht aus den Augen verloren werden. Es bedarf keiner weiteren Monstrositäten wie sie gegenwärtig am Postplatz entstehen.  

Wir sollten nicht der Illusion erliegen, dass die moderne bzw. zeitgenössische  Architektur, so wie wir in Dresden am Postplatz erleben, die Herausforderung der Gegenwart lösen kann. Sie kann es nämlich nicht. Dazu genügt  ein Blick in den Rückspiegel. Weder die Nachkriegsmoderne noch die Postmoderne oder der Dekonstruktivismus haben es geschafft, ein generelles Gefühl von Authentizität und Verbundenheit zu kreieren. Stattdessen wirken Straßenzüge, Plätze, Quartiere in dieser Form- und Architektursprache grau, trist und leer. Die oftmals bloße Aneinanderreihung von (Hochglanz)Fassaden hat, wenn man es so will, zur Vereinzelung und damit auch ein stückweit zum Auseinanderfallen der Gesellschaft beigetragen. Das Leben tummelt sich dagegen häufig in Stadtteilen, die eben gerade aufgrund ihres altstädtischen Charakters das Gefühl von Nahbarkeit ausstrahlen.

Aus diesem Grund sollten wir mutig in die Zukunft blicken, in dem wir selbstbewusst die über Jahrhunderte entstandene, für Dresden typische Architektursprache aufgreifen und in unsere Neubauten einfließen lassen. Dresden ist mit der Bebauung des Neumarktes dahingehend beispielgebend für andere Städte wie Berlin, Potsdam oder Frankfurt gewesen. Warum sollte uns ein derartiges, nahezu schon avantgardistisches Meisterstück nicht erneut gelingen. Wir sollten am Ferdinandplatz damit beginnen. Für uns und die Zukunft dieser Stadt.

geändert von Robert E am 18. Dezember 2018